Trained-Fetching
Das ursprüngliche Force Fetching ist bei uns etwas
in Verruf, weil es sich dabei um ein Operantes Konditionieren handelt,
bei dem auch mit negativer Verstärkung gearbeitet wird, aber nicht zwangsweise
gearbeitet werden muß. Um zu verstehen um was es eigentlich geht, muß
ich ganz kurz in die Verhaltenspsycholgie eintauchen - ehrlich: nur
ganz kurz J
Man unterscheidet zwei klassisch verhaltenstheoretische
Modelle des Lernens:
- Das Klassisches Konditionieren (Reizkonditionierung
nach Pawlow)
Futter löst beim Hund Speichelfluss
aus. Wird beim Füttern immer ein Glöckchen geläutet, löst irgendwann
mal das Läuten allein auch den Speichelfluss aus)
- Das Operantes Konditionieren (Verhaltenskonditionierung
nach Skinner Sonderform „Prägung“ nach Lorenz)
Es wird angenommen, dass
Verhalten primär auf Luststeigerung und Schmerzvermeidung
ausgerichtet ist und damit von Verstärkung bzw. Bestrafung abhängt:
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Verstärkung:
Erhöhung der Auftrittswahrscheinlichkeit
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Bestrafung.
Verringerung der
Auftrittswahrscheinlichkeit
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positive Verstärkung:
angenehmen
Reiz geben
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Bestrafung 1
angenehmen Reiz unterlassen
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negative Verstärkung: unangenehmen Reiz
unterlassen
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Bestrafung 2
unangenehmen Reiz
geben
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Das ursprüngliche Force Fetching arbeitet also auch mit negativer Verstärkung:
dem Hund wird von vorneherein Schmerz (z.B. Quetschen der Zehen) zugefügt
und bei gewünschtem Verhalten weggenommen. Ich persönlich lehne die
negative Verstärkung als Ausbildungshilfsmittel ab. Um auch sprachlich
eine klare Abgrenzung zu treffen, spreche ich vom „trained fetching“,
das sich nur der Stimuli „positive Verstärkung“ und „Bestrafung 1“ sowie
„Bestrafung 2“ bedient. Natürlich funktioniert das „trained fetching“
auch, wenn man auf den Stimulus „Bestrafung 2“ verzichtet, den ich
im Folgenden deshalb immer orange markieren werde.
Ziel des Trained-Fetching
ist es das der Hund das Dummy bzw. den Vogel absolut zuverlässig fest
hält und auf Kommando ausgibt. Es ist das Fundament für das gesamte
weitere Apportiertraining. Egal wie stressig oder verwirrend eine Situation
sein mag, der Hund weiß was zu tun ist, wenn er zum Apport geschickt
wird.
Entscheidend für den Erfolg ist es, ohne
Zeitdruck in kleinen Lerneinheiten voran zu gehen. Erst wenn der Hund
eine Lerneinheit wirklich verstanden hat und sie beherrscht, sollte
mam mit der nächsten beginnen. Jeder Hund hat sein ganz individuelles
Lerntempo, auf das man unbedingt Rücksicht nehmen muss.
Eine weitere Voraussetzung ist die Geduld.
Der Trainingserfolg beim trained-fetching ist nicht stetig und gleichmäßig
sondern vollzieht sich in Schüben und Sprüngen und auch hier gilt wie
überall in der Hundeausbildung: „Repetition builds perfection“
Der einzige Weg zu einem eifrigen und glücklichen
Retriever ist das Vertrauen des Hundes zu erlangen und seine Begeisterung
zu wecken. Während der ersten Phase sollte man dem Hund keine
Kommandos geben sondern versuchen ganz ruhig und entspannt zu bleiben
um möglichst wenig Stress und Verwirrung beim Hund aufzubauen. Die einzige
Reaktion die der Hund erfahren sollte ist ruhiges Loben.
Bevor wir mit dem trained-fetching beginnen,
muß der Hund die Basis-Obedience-Kommandos „Fuß“, „Sitz“, „Bleib“ und
„Hier“ beherrschen. welche Begriffe man für die Kommandos verwendet
ist uninteressant, solange es immer die selben sind.
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Dummy in
den Fang legen
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Das Kinn stützen,
den Hund streicheln und loben
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Das
Dummy aufnehmen
Je nach Hund kann dies
die einfachste Sache der Welt sein oder auch eine nervenaufreibende
Feuerprobe. Der Hund bekommt in der
„Fuß“-Position das Kommando „Sitz“. Dann versucht man dem Hund das Dummy
folgendermaßen in den Fang zu legen: mit der linken Hand von oben über
den Fang des Hundes greifen und versuchen die Einbuchtung im Zahnfleisch
hinter den oberen Fangzähnen zu finden. Mit der rechten Hand das Dummy
direkt vor den Fang halten. Mit der linken Hand nach oben ziehen und
gleichzeitig das Dummy mit der rechten Hand schräg nach unten gegen
das Kinn drücken. Sobald sich der Fang öffnet, das Dummy über die untern
Fangzähne in den Fang rollen. Jetzt das Kommando „Fest“ geben und mit
der rechten Hand das Kinn von unten stützen.
Die linke Hand streichelt beruhigen über den Nacken.
Die meisten Hunde reagieren
zunächst mit einem Ausweichverhalten, sie drehen den Kopf, reissen den
Fang weit auf um das Dummy auszuspucken oder schieben es mit der Zunge
weg. Falls der Hund dabei aufsteht legt man das Dummy weg und nimmt
eine energische Sitzkorrektur vor, begleitet vom Kommando „Sitz“. Dann
beginnt man von vorn.
Sobald der Hund entspannt
und die Situation akzeptiert, lobt man ihn ruhig, nimmt das Dummy aus
dem Fang, begleitet vom Kommando „Aus“. Dann geht man mit dem Hund
ein paar Schritte „Fuß“ nach vorne, läßt den Hund sitzen und wiederholt
die Übung.
Ein Grundprinzip jedes
Hundetrainings ist es jegliche Form von Ringkampf mit dem Hund zu vermeiden. Die sanfteste Methode
ist es, dem Hund mittels Klickertraining das Apportieren beizubringen. Dies dauert in der Regel etwas länger funktioniert aber eigentlich ganz gut. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Hunde, die mittels trained fetching oder gas Zwangsapport ausgebildet wurden, später die zuverlässigeren Apportierer sind. Die Vor- und Nachteile muss jeder für sich abwägen.
Probleme
Schnell erregbare Hunde neigen zum Kauen. Empfindliche Hunde tragen
das Dummy oft am äussersten Ende und zwar so vorsichtig, dass sie
es leicht fallen lassen. Läßt man dies zu besteht die Gefahr,
dass der Hund später Vögel nicht sauber apportiert und sie
typischerweise am Flügel, am Bein oder am Hals trägt. Dem
kann man z.B. gut mit Wasserdummies entgegenwirken, die halb gefüllt
sind. Trägt der Hund sie an einem Ende, läuft das Wasser am
anderen Ende zusammen und der Hund kann das Dummy nicht mehr balancieren.
Dominante Hunde dagegen beanspruchen die Beute und weigern sich in die
Hand auszugeben. Man muß während des Trainings ein Augenmerk darauf
haben und jedem unerwünschten Verahlten des Hundes sofort entgegenwirken.
Auf jeden Fall sollte man denn Hund kein Wild apportieren lassen bevor
er gelernt hat sauber zu tragen, da er sonst auch das Wild nicht richtig
tragen wird.
Fester Anbiss
Der Hund soll nicht nur akzeptieren,
den Apportierbock im Fang zu behalten, sondern er soll es auch
“fest” halten. Dazu beginn man mit einem etwa 30cm langen,
runden Holzstück zu trainieren. Es hat sich als vorteilhaft
herausgestellt, hier noch nicht mit einem Dummy zu trainieren
sondern mit einem Gegenstand, mit dem der Hund später nie
wieder etwas zu tun haben wird. Der Hund lernt zunächst,
den Gegenstand solange festzuhalten, bis das Kommando „AUS“
kommt. Wir fangen jetzt an, etwas stärker und etwas ruckartiger
mit den Fingern auf das Holz zu klopfen. Hält der Hund es
fest, wird er sanft gelobt, spuckt er es aus, kommt es sofort
wieder zurück in den Fang, begleitet vom Kommando „FEST“
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Die nächste Stufe ist das Stück
Holz an einem Ende mit zwei Fingern festzuhalten. Lockert der
Hund den Griff, erfolgt das Kommando „FEST“ und man
lässt das Holz sofort los. Man wiederholt diese Übung
einige Male bis der Hund gelernt hat, das Stück Holz festzuhalten
auch wenn man es anfasst. Er darf erst loslassen, wenn das Kommando
„AUS“ erfolgt.
Im nächsten Schritt beginnen wir leicht am Stück Holz
zu rütteln. Lockert der Hund den Griff, erfolgt wieder sofort
das Kommando „FEST“ und man lässt das Holz sofort
los. Wie bisher wiederholt man diese Übung einige Male bis
der Hund gelernt hat erst beim Kommando „AUS“ loszulassen.
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Laufen und Halten
Den Hund dazu zu bringen das Dummy während des Laufens zu halten
ist eine Herausforderung. Das Kommando "Fuss" zu geben während
der Hund das Dummy hält führt meist dazu, dass er es ausspuckt.
Er interpretiert das Fuss-Kommando als Release-Kommando für das
"Fest". Besser ist es denn Hund zum Laufen zu bringen, ohne
ihm ein Kommando zu geben. Man hilft dem Hund ein wenig, indem man mit
der rechten Hand sein Kinn stützt, gleichzeitig an der Leine nach
vorne zieht und das Kommando "Fest" wiederholt.Anfangs wird
der Hund etwas verwirrt sein, deswegen unbedingt darauf achtn, dass
sein Kiefer weiter gestützt wird. So bald der Hund sich in Bewegung
setzt, wird er intensiv gelobt. Anfangs genügen einige wenige Schritte.
Man läßt den Hund wieder sitzen und beendet die Übung.
Im nächsten Schritt lernt der Hund das Dummy ohne Unterstützung
des Kinns zu tragen und langsam steigert man die Entfernung. Während
dieser Übungen versucht man mäglichst wenig zu sprechen. "Sitz"
und "Fest" sind die einzigen Kommandos. Ziel ist es, dass
der Hund mit dem Dummy im Fang über Hindernisse gehen kann, in
der Fuss-Position laufen kann und sich hinsetzen kann.