Dummy-Training

Autor: Hans-Werner Franz


Hans-Werner Franz

 

Trained-Fetching

Das ursprüngliche Force Fetching ist bei uns etwas in Verruf, weil es sich dabei um ein Operantes Konditionieren handelt, bei dem auch mit negativer Verstärkung gearbeitet wird, aber nicht zwangsweise gearbeitet werden muß. Um zu verstehen um was es eigentlich geht, muß ich ganz kurz in die Verhaltenspsycholgie eintauchen - ehrlich: nur ganz kurz J

Man unterscheidet zwei klassisch verhaltenstheoretische Modelle des Lernens:

  1. Das Klassisches Konditionieren (Reizkonditionierung nach Pawlow)

Futter löst beim Hund Speichelfluss aus. Wird beim Füttern immer ein Glöckchen geläutet, löst irgendwann mal das Läuten allein auch den Speichelfluss aus)

  1. Das Operantes Konditionieren (Verhaltenskonditionierung nach Skinner Sonderform „Prägung“ nach Lorenz) 

Es wird angenommen, dass Verhalten primär auf Luststeigerung und Schmerzvermeidung
ausgerichtet ist und damit von Verstärkung bzw. Bestrafung abhängt:

 

Verstärkung:
Erhöhung der Auftrittswahrscheinlichkeit

 Bestrafung.
Verringerung der
Auftrittswahrscheinlichkeit

 

positive Verstärkung:
angenehmen Reiz geben

Bestrafung 1
angenehmen Reiz unterlassen

negative Verstärkung: unangenehmen Reiz unterlassen

Bestrafung 2
unangenehmen Reiz 
geben


Das ursprüngliche Force Fetching arbeitet also auch mit negativer Verstärkung: dem  Hund wird von vorneherein Schmerz (z.B. Quetschen der Zehen) zugefügt und bei gewünschtem Verhalten weggenommen. Ich persönlich lehne die negative Verstärkung als Ausbildungshilfsmittel ab. Um auch sprachlich eine klare Abgrenzung zu treffen, spreche ich vom „trained fetching“, das sich nur der Stimuli „positive Verstärkung“ und „Bestrafung 1“ sowie „Bestrafung 2“ bedient. Natürlich funktioniert das „trained fetching“ auch, wenn man auf den Stimulus „Bestrafung 2“ verzichtet,  den ich im Folgenden deshalb immer orange markieren werde.
 

 

Ziel des Trained-Fetching ist es das der Hund das Dummy bzw. den Vogel absolut zuverlässig fest hält und auf Kommando ausgibt. Es ist das Fundament für das gesamte weitere Apportiertraining. Egal wie stressig oder verwirrend eine Situation sein mag, der Hund weiß was zu tun ist, wenn er zum Apport geschickt wird.

Entscheidend für den Erfolg ist es, ohne Zeitdruck in kleinen Lerneinheiten voran zu gehen. Erst wenn der Hund eine Lerneinheit wirklich verstanden hat und sie beherrscht, sollte mam mit der nächsten beginnen. Jeder Hund hat sein ganz individuelles Lerntempo, auf das man unbedingt Rücksicht nehmen muss.

Eine weitere Voraussetzung ist die Geduld. Der Trainingserfolg beim trained-fetching ist nicht stetig und gleichmäßig sondern vollzieht sich in Schüben und Sprüngen und auch hier gilt wie überall in der Hundeausbildung: „Repetition builds perfection“

Der einzige Weg zu einem eifrigen und glücklichen Retriever ist das Vertrauen des Hundes zu erlangen und seine Begeisterung zu wecken. Während der ersten Phase sollte man dem Hund keine Kommandos geben sondern versuchen ganz ruhig und entspannt zu bleiben um möglichst wenig Stress und Verwirrung beim Hund aufzubauen. Die einzige Reaktion die der Hund erfahren sollte ist ruhiges Loben.

Bevor wir mit dem trained-fetching beginnen, muß der Hund die Basis-Obedience-Kommandos „Fuß“, „Sitz“, „Bleib“ und „Hier“ beherrschen. welche Begriffe man für die Kommandos verwendet ist uninteressant, solange es immer die selben sind.

Photo shows procedure for putting dummy in dog's mouth

Dummy in den Fang legen

Das Kinn stützen, den Hund streicheln und loben

Das Dummy aufnehmen

Je nach Hund kann dies die einfachste Sache der Welt sein oder auch eine nervenaufreibende Feuerprobe. Der Hund bekommt in der „Fuß“-Position das Kommando „Sitz“. Dann versucht man dem Hund das Dummy folgendermaßen in den Fang zu legen: mit der linken Hand von oben über den Fang des Hundes greifen und versuchen die Einbuchtung im Zahnfleisch hinter den oberen Fangzähnen zu finden. Mit der rechten Hand das Dummy direkt vor den Fang halten. Mit der linken Hand nach oben ziehen und gleichzeitig das Dummy mit der rechten Hand schräg nach unten gegen das Kinn drücken. Sobald sich der Fang öffnet, das Dummy über die untern Fangzähne in den Fang rollen. Jetzt das Kommando „Fest“ geben und mit der rechten Hand das Kinn von unten stützen. Die linke Hand streichelt beruhigen über den Nacken. 

Die meisten Hunde reagieren zunächst mit einem Ausweichverhalten, sie drehen den Kopf, reissen den Fang weit auf um das Dummy auszuspucken oder schieben es mit der Zunge weg. Falls der Hund dabei aufsteht legt man das Dummy weg und nimmt eine energische Sitzkorrektur vor, begleitet vom Kommando „Sitz“. Dann beginnt man von vorn.

Sobald der Hund entspannt und die Situation akzeptiert, lobt man ihn ruhig, nimmt das Dummy aus dem Fang, begleitet  vom Kommando „Aus“. Dann geht man mit dem Hund ein paar Schritte „Fuß“ nach vorne, läßt den Hund sitzen und wiederholt die Übung.

Ein Grundprinzip jedes Hundetrainings ist es jegliche Form von Ringkampf mit dem Hund zu vermeiden. Die sanfteste Methode ist es, dem Hund mittels Klickertraining das Apportieren beizubringen. Dies dauert in der Regel etwas länger funktioniert aber eigentlich ganz gut. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Hunde, die mittels trained fetching oder gas Zwangsapport ausgebildet wurden, später die zuverlässigeren Apportierer sind. Die Vor- und Nachteile muss jeder für sich abwägen.

 

 

Probleme

Schnell erregbare Hunde neigen zum Kauen. Empfindliche Hunde tragen das Dummy oft am äussersten Ende und zwar so vorsichtig, dass sie es leicht fallen lassen. Läßt man dies zu besteht die Gefahr, dass der Hund später Vögel nicht sauber apportiert und sie typischerweise am Flügel, am Bein oder am Hals trägt. Dem kann man z.B. gut mit Wasserdummies entgegenwirken, die halb gefüllt sind. Trägt der Hund sie an einem Ende, läuft das Wasser am anderen Ende zusammen und der Hund kann das Dummy nicht mehr balancieren. Dominante Hunde dagegen beanspruchen die Beute und weigern sich in die Hand auszugeben. Man muß während des Trainings ein Augenmerk darauf haben und jedem unerwünschten Verahlten des Hundes sofort entgegenwirken. Auf jeden Fall sollte man denn Hund kein Wild apportieren lassen bevor er gelernt hat sauber zu tragen, da er sonst auch das Wild nicht richtig tragen wird.

 

Fester Anbiss

Der Hund soll nicht nur akzeptieren, den Apportierbock im Fang zu behalten, sondern er soll es auch “fest” halten. Dazu beginn man mit einem etwa 30cm langen, runden Holzstück zu trainieren. Es hat sich als vorteilhaft herausgestellt, hier noch nicht mit einem Dummy zu trainieren sondern mit einem Gegenstand, mit dem der Hund später nie wieder etwas zu tun haben wird. Der Hund lernt zunächst, den Gegenstand solange festzuhalten, bis das Kommando „AUS“ kommt. Wir fangen jetzt an, etwas stärker und etwas ruckartiger mit den Fingern auf das Holz zu klopfen. Hält der Hund es fest, wird er sanft gelobt, spuckt er es aus, kommt es sofort wieder zurück in den Fang, begleitet vom Kommando „FEST“

Die nächste Stufe ist das Stück Holz an einem Ende mit zwei Fingern festzuhalten. Lockert der Hund den Griff, erfolgt das Kommando „FEST“ und man lässt das Holz sofort los. Man wiederholt diese Übung einige Male bis der Hund gelernt hat, das Stück Holz festzuhalten auch wenn man es anfasst. Er darf erst loslassen, wenn das Kommando „AUS“ erfolgt.

Im nächsten Schritt beginnen wir leicht am Stück Holz zu rütteln. Lockert der Hund den Griff, erfolgt wieder sofort das Kommando „FEST“ und man lässt das Holz sofort los. Wie bisher wiederholt man diese Übung einige Male bis der Hund gelernt hat erst beim Kommando „AUS“ loszulassen.

Laufen und Halten

Den Hund dazu zu bringen das Dummy während des Laufens zu halten ist eine Herausforderung. Das Kommando "Fuss" zu geben während der Hund das Dummy hält führt meist dazu, dass er es ausspuckt. Er interpretiert das Fuss-Kommando als Release-Kommando für das "Fest". Besser ist es denn Hund zum Laufen zu bringen, ohne ihm ein Kommando zu geben. Man hilft dem Hund ein wenig, indem man mit der rechten Hand sein Kinn stützt, gleichzeitig an der Leine nach vorne zieht und das Kommando "Fest" wiederholt.Anfangs wird der Hund etwas verwirrt sein, deswegen unbedingt darauf achtn, dass sein Kiefer weiter gestützt wird. So bald der Hund sich in Bewegung setzt, wird er intensiv gelobt. Anfangs genügen einige wenige Schritte. Man läßt den Hund wieder sitzen und beendet die Übung.

Im nächsten Schritt lernt der Hund das Dummy ohne Unterstützung des Kinns zu tragen und langsam steigert man die Entfernung. Während dieser Übungen versucht man mäglichst wenig zu sprechen. "Sitz" und "Fest" sind die einzigen Kommandos. Ziel ist es, dass der Hund mit dem Dummy im Fang über Hindernisse gehen kann, in der Fuss-Position laufen kann und sich hinsetzen kann.

 

 

 

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