Dummy-Training

Autor: Hans-Werner Franz


Hans-Werner Franz

 

 

Das Markieren

Unter Markieren versteht man das Merken der Fallstelle. Der Hund (und sein Hundeführer) sieht nach einem abgegebenen Schuss ein Dummy fallen und merkt sich die Stelle. Nach dem Kommando läuft er auf direktem Wege zur Fallstelle und beginnt erst dort nach dem Dummy zu suchen.

Da hierbei realistische Jagdsituationen nachgestellt werden, gibt es auch die so genannte Mehrfachmarkierung. Es kommt durchaus vor, dass mehrere Stücke geschossen werden, der Hund aber nicht zum Apport geschickt werden kann. Hier muss sich also der Hund gleich mehrere Fallstellen merken. Er wird zum Apport geschickt, bringt ein Dummy zurück, wird erneut geschickt. Hierbei ist besonders wichtig, dass der Hund nicht tauscht.

Richtig: "great markers are born, not made."
Falsch: "you really can't do anything to teach marking."

Gute Markierer haben eine Vorstellung im Sinne eines “Punktes auf dem Boden” während schwächere Markierer eher die Vorstellung einer “Wahrscheinlichkeitszone“ haben. Während der „Spot Hunter" zielsicher den Punkt im wahrsten Sinne des Wortes anvisiert ist der „Zone Hunter“ überzeugt, dass er die Beute findet wenn er in der Zone mit der Nase am Boden zu suchen beginnt, mit dem Risiko, dass er bei ungünstigen Wind einen halben Meter an der Beute vorbeirennt, ohne diese zu sehen, weil er sich eben nur auf seine Nase verlässt.

Anfangs-Fehler vermeiden
Beim Hundetraining ist die Art und Weise wie ein Hund an eine Aufgabe herangeführt wird prägend für dessen späteres Verständnis in der Bewältigung der Aufgabe. Schlechte Angewohnheiten wird man sehr schlecht wieder los, deswegen stehen am Anfang des „Markings“ eine Liste von DON’TS:

- Nie Markierungen zu früh in Bewuchs werfen, in dem der Hund das Dummy beim Näherkommen nicht sehen kann.

- Nie Dummys werfen, die sich schlecht vom Untergrund abzeichnen

- Nie zu lange Markierungen werfen, die den jungen Hund überfordern und ihn veranlassen, Hilfe suchend zum Werfer zu laufen, weil der Werfer das einzige ist, was er in der Entfernung ausmachen kann

- Zu Beginn nie mehr als 3 Dummys werfen

- Nicht zu früh mit der Wasserarbeit beginnen, vor allem, wenn das Wasser kalt ist.

- Keine Markierungen mit Hunden üben, die nicht zurückkommen oder das Dummy zerbeißen

- Nie den Hund schicken, während er winselt

Die Grundelemente des Markings

"Wie komme ich dort hin"
Dies kann eine schnurgerade Linie bis zur Markierung sein oder auch ein effektiver Umweg, solange der Hund nicht die Orientierung verliert.

"Wann muss ich stoppen."
Das heißt, der Hund muss eine genau Vorstellung von der Tiefe des Raumes haben, die er gehen muss, um das Dummy nicht zu verpassen.

"Eine effektive Jagdweise”
falls es dem Hund nicht gelingt, den Punkt auf Anhieb zu treffen

Trainingsziel: Der Hund soll lernen, dass er die Fallstelle nicht aus den Augen lässt, wenn er losrennt
Damit werden die ersten beiden Elemente des Markings bereits abgedeckt. Und wenn die Dummies anfangs immer offen und gut sichtbar für den Hund liegen, wird der Hund der nie seinen Blick von der Fallstelle abwendet mit keinem der beiden Punkte Probleme haben.

Wichtige Punkte:
Das richtige Gelände: niedriger Bewuchs, ebenes Gelände, damit der Hund das Dummy jederzeit sehen kann, wenig Ablenkung
Der richtige Apportiergegenstand: gut sichtbar, am Besten weiße Dummies
Der richtige Wind: die ersten Dummies sollten mit dem Wind geworfen werden, damit der junge Hund seinen Augen und nicht seiner Nase vertraut
Das richtige Übungsziel: die Markierung muss so einfach sein, dass der junge Hund keine Schwierigkeiten hat, seinen Blick ständig darauf zu fixieren
Der richtige Werfer: Beobachtet den Hund, ob sein Blick auf das Dummy fixiert ist. Er gibt Hilfestellung wenn nötig (macht mit Geräusch auf sich aufmerksam, wirft ein zweites Dummy genau auf die gleiche Stelle, oder tauscht ein zu schwierig zu findendes Dummy gegen ein leichteres aus.

Die richtige Position des Werfers
muss so gewählt werden, dass dadurch die Vorstellung des Hundes vom besagten “Punkt auf dem Boden” möglichst wenig beeinflusst wird.
Bei den ersten Retrieve-Übungen eines jungen Hundes mit einem extra Werfer sollte die Entfernung der Hundes zur Fallstelle immer kleiner sein, als die Entfernung des Werfers zur Fallstelle. Dies hilft dem jungen Hund sich auf die Fallstelle zu konzentrieren und nicht auf den Werfer. Es unterstützt den Hund auch in dem Gedanken zum HF zurückzukommen und nicht zum Werfer.
Beginnt man die Länge der Markierungen zu steigern, wird man dieses Verhältnis nicht lange aufrechterhalten können. Um den Junghund trotzdem auf die Fallstelle zu fixieren sollte man versuchen, den Werfer aus dem Bild, das sich der Hund macht möglichst herauszuhalten. Z.B. in dem man in auf der anderen Seite eines Weges platziert. Ist die nicht möglich, sollte der Werfer einen so genannten „flat throw“ bevorzugen, der den Werfer visuell eher von der Fallstelle separiert als ein „angle-back throw“, der den Hund gerade dazu einlädt, das Dummy mit dem Werfer mental zu verbinden.

Wichtig ist, dass der Hund den Werfer sieht, bevor dieser wirft. Der Hund soll lernen vor dem Wurf den Werfer (später den Jäger) zu fixieren und nicht aus den Augen zu lassen.

Der erfahrene Jagdhund wird die Position des Schützen gerade bei Mehrfachmarkierungen als gedankliches Hilfsmittel mit einbauen, aber das sollte dem erfahrenen Hund vorbehalten sein. Der junge Hund sollte sich vor allem dem “Punkt auf dem Boden” konzentrieren als auf die Position des Werfers.

Tauschen
Bei Mehrfachmarkierungen oder der Freiverlorensuche liegen mehrere Dummys aus, die der Hund nacheinander apportieren soll. Nun kann es passieren, dass der Hund auf dem Rückweg zum Hundeführer an einem anderen Dummy vorbeikommt, dass erste, welches er schon trägt ablegt, um sich eben das neue zu nehmen. Wieder mal muss man auf die jagdlichen Hintergründe schauen, dann wird klar, warum Tauschen so verpönt ist. Der Hund sollte geschossenes Wild nicht „Umsortieren“ und durch häufiges Aufnehmen noch beschädigen sondern unverzüglich bringen!

 

 

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