Die Sache mit der Leinenführigkeit - wie sag ich's meinem Hund?


In einem Diskussionsforum erschien folgende Antwort auf die Frage, wie man denn einem Hund das an der Leine Ziehen abgewöhnen könne, der das bei den Vorbesitzern 6 Jahre lang tun durfte. Natürlich funktioniert das auch beim Welpen (mit freundlicher Erlaubnis der Autorin):

"So, und noch ein ganz konkreter Punkt. Du schreibst, dein Hund zieht wie verrückt.
So, und warum zieht er? Weil er gelernt hat, dass Ziehen ihm das gibt, was er möchte. Dein Hund möchte schneller vorwärtskommen, möchte an einen bestimmten Ort, der verheißungsvoll duftet. Und wie kommt man an der Leine am schnellsten dorthin? Ganz richtig, durch ziehen. Dein Hund hat das bei den Vorbesitzern gelernt. Über "positive Verstärkung". Hund zieht, gelangt dorthin wo er hinwill. BINGO.

So, und jetzt kommst Du. Hund zieht, du ruckst an der Leine, Hund kommt durch Ruck neben dich - (jetzt setzt die "positive Verstärkung" bei Dir ein, Du hattest Erfolg, Hund ist neben Dir, BINGO! Dass Hundi im nächsten Moment wieder vorprellt und zieht, merkt dein Unterbewusstsein nicht, das hat verknüpft "wenn ich an der Leine rucke, kommt Hund neben mich" - die Lerngesetze wirken nämlich auch beim Menschen). Im nächsten Moment zieht Hund wieder. Warum? Ganz einfach, weil er nicht begriffen hat, was der Leinenruck ihm sagen will.

Schau dich mal um, wie viele Leute noch nach Jahren an den Leinen ihrer Hunde reißen, und Hundis stören sich nicht daran. Teilweise sogar mit Stachelhalsbändern um. Was haben diese Hunde je gelernt? Und noch ein Problem, das Du beachten solltest. Ein Verhalten verstärkt sich kurz vor dem Auslöschen häufig noch einmal. Soll heissen, es kann vorkommen, dass Du eine Besserung merkst, deutliche Besserung, nicht bloß ideelle. Und dann auf einmal wird das ganze wieder richtig schlimm mit dem Ziehen. Wenn Du da konsequent bleibst, und diese paar Tage auch noch durchhältst, dürftest Du es geschafft haben.
Wie lange das ganze dauert, kann ich Dir nicht sagen. Hängt von vielen Faktoren ab. Aber jetzt überlege mal. Dein Hund hat 6 Jahre lang gelernt, dass Ziehen okay ist. Und das verlernt man nicht innerhalb von ein paar Tagen. Ich schätze jetzt mal, 6 Monate wirst Du schon einplanen müssen. Selbstverständlich wirst Du nicht 6 Monate lang immer nur ein paar Meter Spazierengehen mit deinem Hund. Ich meine damit, bis er wirklich sicher nicht mehr zieht. Je nach Hund und Konsequenz des Hundeführers kann das ganze länger dauern oder sogar kürzer."

Das hier beschriebene Vorgehen ist bei allen Hunden wirksam - wenn der Mensch am anderen Ende der Leine konsequent daran arbeitet. Aber soweit muss man es ja erst gar nicht kommen lassen. Jeder Welpe lernt innerhalb kurzer Zeit, an der Leine mit seinem Menschen mit zu laufen.

Ab diesem Punkt ist es entscheidend, welches Verhalten wir belohnen, denn jedes Mal, wenn wir den Welpen oder Junghund ziehend zum Ziel kommen lassen, belohnen wir durch das Erreichen des Zieles oder auch nur durch das Vorwärtskommen das Ziehen an der Leine. Ohne es eigentlich zu wollen, trainieren wir dadurch den jungen Hund dazu, an der Leine zu ziehen. D.h. Ziehen an der Leine sollte von Anfang an grundsätzlich nicht belohnt werden. Durch Stehenbleiben oder gar langsames Rückwärtsgehen wird dem Hund klar gemacht, dass er SO nicht zum Ziel kommt. Erst wenn der Hund von sich aus eine leichte Bewegung in unsere Richtung macht und die Leine hängt durch, geht es wieder weiter in Richtung gemeinsames Ziel.

 

Autor: Silke Sandberg

Home