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Wie wir Menschen können Hunde ein Leben lang dazulernen. Ihr Verhalten ist nicht starr festgelegt, sondern sie können sich wechselnden Umweltbedingungen anpassen. Nicht umsonst ist der Vorfahr unserer Hunde, der Wolf, das Raubtier mit der größten Ausbreitung, mal abgesehen davon, dass er vom Menschen fast ausgerottet wurde. Um in den unterschiedlichsten Lebensräumen und -bedingungen leben zu können, muss ein Lebewesen sein Verhaltensinventar variabel einsetzen und erfolgreiche Strategien entwickeln können. Dazu ist erst einmal ein Gedächtnis nötig. Außerdem müssen für die Arterhaltung positive und negative Erfahrungen unterschieden und das Verhalten entsprechend angepasst werden. Auch müssen die entsprechenden Sinneseindrücke mit den passenden Situationen verknüpft werden. Das hört sich banal an, ist es aber durchaus nicht, wenn wir daran denken, dass wir bei Seekrankheit die Übelkeit mit bestimmten Gerüchen oder Speisen verknüpfen, nicht jedoch mit dem Anblick eines Schiffes. |
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Die einfachste Form des Lernens ist die Gewöhnung.
Der Hund lernt, völlig passiv, gleichmäßig wiederholte
Reize (z.B. den Anblick einer Katze) nicht mehr weiter zu beantworten.
Gewöhnung ist für uns als Hundehalter von daher wichtig, dass
wir unsere Hunde von klein auf an alles mögliche gewöhnen müssen,
damit unsere Vierbeiner in einer reizüberfluteten Umwelt klarkommen. |
Prägung: Form des Lernens, bei
dem die auslösende Reizsituation in einer bestimmten Lebensphase
erlernt werden müssen und ein späteres Umlernen kaum oder gar
nicht mehr möglich ist. |
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So ist wohl auch jedem klar, dass wahre Virtuosität
beim Spielen von Musikinstrumenten nur erreicht werden kann, wenn die
Grundlagen schon in der Kindheit gelegt werden - ganz abgesehen von zusätzlich
nötigen Eigenschaften wie z.B. Talent, Disziplin und Fleiß Das Wollen Das erste, was wir bei der Ausbildung unseres Hundes
erreichen sollten, ist ein Hund, der uns seine volle Aufmerksamkeit widmet,
weil er etwas von uns will. In diesem Zustand ist er äußerst
aufnahmebereit, agil und freudig gestimmt. Jeder von uns kennt diesen
Zustand, wenn unsere Lucky mit uns spielen will oder wir ein Stückchen
Wurst in der Hand halten, von dem Atos denkt, dass es für ihn bestimmt
ist. Nur was tun, wenn sich unser vierbeiniger Freund weder für Leckerlies
noch ein Spiel mit uns interessiert, sondern lieber einen bestimmten Geruch
verfolgt? Dann sollten wir die Wichtigkeit unseres Leckerlies oder des
Spiels mit uns erhöhen und die Ablenkung verringern. Dazu sind mehrere
Bedingungen nötig: die richtige Rangordnung, angemessene Ernährung
und die Spielfreude des Hundes. Wie spiele ich mit meinem Hund? Motivation durch Futter |
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Das Erlernen neuer Verhaltensweisen
Der Zeitrahmen (Timing)
Handlungsketten
Achtung Falle! |
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Die Wahrheit ist, Bingo hat es einfach noch nicht gelernt, dass SITZ immer und unter allen möglichen Umständen bedeutet, dass er sich hinsetzen soll. Für ihn heißt SITZ, dass Sie im Sessel zuhause sitzen, er vor Ihnen steht und sich dann, wenn Sie SITZ sagen, hinsetzt. Er kennt nur den speziellen Fall und ist nicht so einfach in der Lage, daraus abzuleiten, dass SITZ überall SITZ ist. Damit Bingo das Kommando SITZ verallgemeinert, müssen Sie ihm SITZ an verschiedenen Orten und mit unterschiedlicher Ablenkung beibringen. Natürlich sollten Sie die Ablenkung schrittweise steigern und immer wieder bei Null anfangen, wenn Bingo nicht so reagiert, wie er es eigentlich mit weniger Ablenkung gelernt hat. |
Heutzutage verwendet man üblicherweise die Begriffe "Hörzeichen" und "Sichtzeichen" und nicht mehr wie früher das Wort Befehl. Hörzeichen sind Kommandos wie SITZ oder KOMM, aber auch ein Pfiff, Klatschen oder Schnalzen. Sichtzeichen sind Gesten, Bewegungen oder unsere Mimik, die von unseren Hunden oft leichter zu deuten sind als Worte. |
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Einführung von Kommandos (Signalkontrolle)
Grundsätzlich können Sie das von Ihnen gewünschte
Verhalten mit Worten Ihrer Wahl verknüpfen. Ihrem Hund ist es ganz
egal ob Sie SITZ sagen, wenn er sich setzen soll, STUHL oder BLUMENTOPF.
Es muss nur immer dasselbe Wort für dasselbe Verhalten sein. Leute,
die mit ihren Hunden Hundesport betreiben, verwenden oft eine große
Zahl an Hörzeichen für ähnliches Verhalten. So ist es auch
für "normale" Hundebesitzer oft sinnvoll, mehrere Hörzeichen
für KOMM in unterschiedlicher Ausführung zu benutzen:
Voraussetzung für das sichere Ausführen des
erwünschten Verhaltens ist immer die richtige Verknüpfung mit
der richtigen Handlung und genug Übung.
Wie auch bei uns Menschen macht der Ton die Musik. Wollen
Sie dass Lumpi schnell und freudig zu Ihnen kommt, erleichtern Sie ihm
das, wenn Sie das HIIIEER mit hoher, freudiger Stimme rufen. Gewöhnen
Sie es sich an, ein Hörzeichen immer in derselben Tonlage und Betonung
zu geben. Es ist auch nicht nötig, laut oder barsch zu sein, schließlich
hört Ihr Hund wesentlich besser als Sie. |
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Aufbau der Übungseinheiten
Variable Bestärkung und Shaping |
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Wenn Sie Ihrem Hund etwas Neues beibringen, werden Sie anfangs schon jeden Ansatz des richtigen Verhaltens belohnen. Soll z.B. Bine das Rückwärtsgehen auf Kommando lernen, wird sie anfangs schon für 1 Rückwärtsschritt belohnt. Nach 3 oder 4 richtigen Ansätzen gibt es die Belohnung nach 2 oder 3 Schritten. Nach und nach steigern Sie den Anspruch für eine Belohnung. Erwarten Sie z.B. 6 Rückwärtsschritte von Bine, bekommt sie die Belohnung mal nach 7 Schritten, nach 3 Schritten, dann wieder nach 5 Schritten und dann vielleicht wieder nach 7 Schritten. |
Das Prinzip der variablen Bestärkung wird auch bei Spielautomaten eingesetzt. Die Gewinnausschüttung ist auf lange Sicht gesehen immer gleich schlecht. Interessant wird das Spiel durch die Hoffnung auf den Jackpot, der vielleicht irgendwann kommt, und die Durststrecken dazwischen. |
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Das nächste Mal können Sie dann die Zahl
der belohnten Schritte um 8 pendeln lassen. Das nennt man variable Bestärkung.
Dadurch ist die Übung für Bine interessanter und sie bemüht
sich mehr. Eine weitere Möglichkeit der variablen Bestärkung
ist es, im Schnitt jede 3. Ausführung nicht zu belohnen, d.h. 2
richtige Ausführungen werden belohnt, die dritte bleibt ohne Belohnung.
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Das Verhalten Mensch anstupsen wurde durch Streicheleinheiten belohnt. Das Stupsen trat immer häufiger auf, bis Mensch genervt ist und beschließt, Cliff das Stupsen durch Nicht-Beachten abzugewöhnen. Als Folge davon bemüht sich Cliff durch noch mehr und heftigeres Anstupsen bis hin zu Übersprungshandlungen zum Erfolg zu gelangen. Das ist der sog. "extinction burst". Erst nach vielen vergeblichen Bemühungen und großer Ausdauer seines Menschen zeigt Cliff das unerwünschte Verhalten immer seltener, bis er es schließlich ganz sein lässt. |
Sicher jeder von uns hat einen extinction burst schon am eigenen Leibe erfahren, wenn man z.B.mehrmals nacheinander erwartungsvoll Geld in den Kaffeeautomaten wirft und die Münze fällt immer wieder unten raus. Unsere Vorgehensweise wird dann immer heftiger bis wir schließlich in einer Übersprungshandlung dem Automaten einen kräftigen Schlag verpassen. |
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Belohnen Sie also erwünschtes Verhalten nicht jedes Mal, so wird Ihr Hund das bisher erfolgreiche Verhalten verstärkt zeigen. Voraussetzung ist natürlich, dass er sich schon sicher ist, welches das zum Erfolg führende Verhalten ist.
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