Anfänge der Zucht*

 

Über lange Zeit war der Toller eines der am besten gehüteten Geheimnisse seiner kanadischen Heimat. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschien eine Reihe von Artikeln über die Jagd mit dem Little River Duck Dog, wie der Toller damals noch genannt wurde. Autor war der mehrmals zum Hohen Sheriff von Digby County (Nova Scotia) gewählte Harry Smith. Der anerkannte Ornithologe, begeisterte Lachsfischer und Jäger war fasziniert von den Fähigkeiten und Eigenarten der roten Lockhunde seiner Heimat. Deshalb bemühte er sich über Jahrzehnte darum, die Entwicklung der Rasse durch Wort und Tat zu fördern. Seine Zuchtversuche gab er jedoch nach ein paar Jahren wieder auf, da entgegen seinen Erwartungen Käufer aus dem Ausland ausblieben. Trotzdem ist es sein Verdienst, der Erste gewesen zu sein, der versuchte, wahrheitsgemäß und trotzdem mit einem Flair des Geheimnisvollen über Nova Scotias Retriever zu berichten und ihn so einem größeren Publikum bekannt zu machen.

Ein Toller, frühes 20. Jahrhundert
Kanada, frühes 20.Jhd.

Der nächste Meilenstein in der Geschichte des Tollers ist unlösbar mit Colonel Cyril Colwell verbunden. Als junger Mann sah er seinen ersten Toller und war fortan so fasziniert von der Rasse, dass er in den nächsten 40 Jahren einen Teil seines Lebens den Retrievern seiner Heimat Nova Scotia widmete. Über viele Jahre hinweg war er bemüht, immer besser Hunde zu züchten und führte genaue Aufzeichnungen darüber. Er liebte seine Hunde und wollte anderen zeigen, wie wunderbar sie sind. Darüber hinausgehend war es sein Ziel, mehr über den Ursprung der Rasse zu erfahren und schließlich die Anerkennung des Tollers als Rassehund durch den Canadian Kennel Club (CKC) zu erlangen.

1945 wurden seine unermüdlichen Bemühungen belohnt - in einem Brief vom 21. März informierte ihn der Sekretär des CKC (Canadian Kennel Club), "dass nach Durchsicht der eingesandten Unterlagen die Rasse ‚Tolling Retriever' der Liste der vom Canadian Kennel Club anerkannten Rassen hinzugefügt wird". Es kam zur Registrierung der ersten 15 Nova Scotia Duck Tolling Retriever - aus dem kleinen, roten Jagdgehilfen der Acadier war ein anerkannter Rassehund geworden.
Allerdings führten genetische Probleme in der Zucht von Col. Colwell dazu, dass er seine Zuchttiere auf nur zwei Hunde reduzierte und keine weiteren Toller zwischen 1945 und 1960 registrieren ließ.

Die heutige Erfolgsgeschichte des Tollers begann mit der erneuten Registrierung von Tolling Retrievern Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre des 20.Jahrhunderts und ist auf's Engste mit Hettie Bidewell's Chin-Peek-Zucht und der Geschichte von Avery und Erna Nickersons Harbourlight Kennels verknüpft. Hettie Bidewell hatte im Dezember 1951 einen Artikel über die Toller von Familie Armstrong aus Bellneck im Time Magazine gelesen und daraufhin mit zwei Hunden von dort, Flip und Lady, ihre Zucht begonnen.

Anfänge der Toller Zucht

Nachfahren dieser Hunde waren die ersten Toller, die nach Col. Colwells berühmten 15 Tollern registriert wurden. Viele Chin-Peek-Toller waren klein und von heller Farbe oder Buff, häufig mit übermäßig viel Weiß. Aber ein Großteil der Hunde hatte eine gute Knochenstärke und war von korrekter Größe, Typ und Farbe.

Avery und Erna Nickersons Zucht begann mit Tollern, die sie von Züchtern in Comeau's Hill und Little River Harbour im Süden Nova Scotias kauften. Zuerst fiel bei ihnen nur hin und wieder ein Wurf für den eigenen Bedarf als Helfer bei der Jagd. Aber in den frühen Sechzigern beschlossen die beiden, sich um eine Registrierung für ihre Hunde zu bemühen. Ihre erste registrierte Hündin war Cindy (Harbourlight's Autumn Cinderella) und Champ (Gem of Green Meadows) ihr erster registrierter Zuchtrüde. Diese beiden Hunde sollten die berühmte Harbourlight's-Zucht begründen.

Harbourlight Gem
Harbourlight Cindy

Die Nickersons entwickelten Toller, die hübsch, beherzt und intelligent waren und aufgrund der Leidenschaft von Avery für die Entenjagd auch ausgezeichnete jagdliche Eigenschaften besaßen. Ihr Ziel war ein kleiner, kompakter und kräftiger Hund mit weißen Markierungen an Gesicht, Brust, Pfoten und Schwanz. Allerdings waren die Harbourlight-Toller, die in ihrer Größe dem Standard von 1945 entsprachen, häufig größer als die im Landesinneren an Seen oder kleinen Flüssen beheimatete kleinere Varietät.

Eine weitere Zuchtlinie, die später in die Harbourlight-Zucht mit einfloss, entstand in Eldon Paces Zwinger ‚Schubendorf' in Shubenacadie (Nova Scotia). Er hatte die Hündin Goldie (Gem of Green Meadows x Harbourlight's Autumn Cinderella) von seinem Freund Avery Nickerson gekauft und den Rüden Major (Major of Schubendorf) von einem anderen Züchter in Yarmouth. Wie Avery nahm er viele Mühen auf sich, seine Hunde beim CKC registrieren zu lassen.

Toller Zucht Majour

Er tauschte auch Hunde mit Hettie Bidewell aus, und die später als Chin-Peek-Schubendorf-Linie bezeichneten Hunde zeichneten sich durch ein angenehmes Temperament aus und dadurch, dass sie leicht auszubilden waren. Sein Ziel waren kleine, fuchsartige Hunde von ca. 20 kg und er war der Meinung, dass derjenige, der einen größeren Hund haben wolle, sich einen Labrador, Chesapeake Bay oder Golden Retriever anschaffen solle.

Verfolgt man die Stammbäume aller heute lebenden Toller bis zu den Anfängen der offiziellen Tollerzucht zurück, wird man erstaunt feststellen können, dass man innnerhalb von nur wenigen Generationen bei diesen ersten Tollern anlangt. An der Entstehung der Rasse waren somit nur folgende 5 Hunde beteiligt:

Bidewell's Flip
Bidewell's Lady
Gem of Green Meadows
Autumn Cinderella
Major of Schubendorf

Seit dem Ende der 60er Jahren kam es in Kanada zu einem raschen Wachstum der Tollerpopulation und im Juni 1974 erfolgte die Gründung des kanadischen Tollerclubs (NSDTR Club of Canada). Tollerliebhaber entdeckten schnell, dass die apportierenden Lockhunde noch viel mehr zu bieten hatten als ihre Fähigkeiten als Helfer bei der Entenjagd. Ob im Obedience, Agility oder Flyball - in all diesen Hundesportbereichen konnten Toller ihre gute Ausbildbarkeit, Intelligenz und ihren Arbeitswillen beweisen und es dauerte nicht lange, bis die ersten Championtitel an Toller vergeben werden konnten. Große Erfolge, wie z.B. Best-in-Show-Titel, konnten auch im Ausstellungswesen verzeichnet werden. Trotzdem legte damals wie heute ein Großteil der kanadischen Züchter viel Wert auf den Erhalt der jagdlichen Fähigkeiten in ihren Zuchtlinien, was viele bestandene jagdliche Prüfungen bis in die höchsten Klassen beweisen.

 

Links:

Artikel von HAP Smith (John Norris Website)

 

Autor: Silke Sandberg

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* Der Text basiert auf den Büchern "The Nova Scotia Duck Tolling Retriever" von Alison Strang und Gail MacMillan und "A Breed Apart" von Gail MacMillan.