Die kanadischen Rotpelze erobern Europa

 

In Deutschland wächst der Bekanntheitsgrad und die Popularität des kleinen Retrievers mit dem langen Namen erst seit den letzten 4-5 Jahren. In den skandinavischen Ländern ist das allerdings ganz anders. Schon vor über 20 Jahren war es Nete Wunsch, die durch einen Artikel auf den Toller aufmerksam wurde. Nachdem sie zusammen mit Finn Lange durch einen kanadischen Showrichter an zusätzliche Informationen gelangen konnte und zu mehreren Züchtern Kontakt aufgenommen hatte, war im Sommer 1982 der große Tag gekommen - zwei Hündinnen (Westerlea's Red Tilly und Westerlea's Lucky Toller) wurden von ihrer Züchterin Alison Strang auf den langen Weg von Vancouver nach Kopenhagen geschickt.

ca. 1630

erste Erwähnung der Entenlock-
hunde Acadiens

1918

Beschreibung der Entenjagd mit Tolling
Retrievern in Fachzeitschrift

1945

Anerkennung als Rasse durch den CKC

1981

Anerkennung durch die FCI

1982

erste Toller in Europa

1992

erste Toller in BRD

1996

erster deutscher Tollerwurf

Bald darauf erschien ein Artikel über die beiden Hunde sowohl in der Clubzeitschrift ‚Hunden' des Dänischen Zuchtverbandes als auch im schwedischen Gegenstück ‚Hundsport'. Von da an war der Erfolg der quirligen Rotpelze nicht mehr aufzuhalten. Schon im Oktober 1984 konnte der erste europäische Wurf unter dem Zwingernamen ‚Tueholt Red' registriert werden. Tilly war mit Westerlea's Brass Toller verpaart worden, der Anfang 1983 importiert worden war.
Schon 1982 war der Toller als Rassehhund von der FCI anerkannt worden, so dass es nicht lange dauerte, bis die ersten Championtitel verteilt wurden.

Der Einfluss der frühen Toller in Europa ist ausgesprochen groß und so ist auch Coaster (Westerlea's Coast to Coast), der 1985 ursprünglich für nur ein Jahr zu Nete Wunsch geschickt worden war, in sehr vielen Stammbäumen europäischer Toller zu finden. In Netes zweiten Wurf (März 1985) kam Tueholt Red Bright Flower zur Welt.

Mit ihr begründeten Frede und Jonna Hansen ihre Zucht (Bright Flower's). Toller, die dort geboren wurden, wurden nach Holland, Österreich und Finnland exportiert und waren dort der Beginn erfolgreicher Zuchten. Durch die Hansens wurden auch Kurt und Ann-Marie Henriksen mit dem kanadischen Retriever bekannt gemacht. Ihre Zucht (Shaggy Toller's) dürfte in Mitteleuropa zu einem der einflussreichsten Zuchtstätten zählen.

Bald nach Nete Wunschs Artikel über den Toller kamen die ersten Toller nach Schweden und es dauerte nicht allzu lange, bis die heute in Tollerkreisen sehr bekannten und noch aktiv am Zuchtgeschehen teilnehmenden Zuchtstätten ‚Flyingtoller's' (Ingegerd Nordstrom und Tore Olsson), ‚FoBi Toller's' (Birgit und Folke Fantenberg) und ‚Kanadickens' (Kjell und Lena Berghed) entstanden. In kurzer Zeit fand der Toller ausgesprochen viele Liebhaber in Schweden, so dass heute 3000 - 4000 Toller dort leben und der 1986 gegründete Schwedische Tollerclub der mitgliederstärkste (derzeit 1200 Mitglieder) Zuchtverein weltweit für Toller ist. Jährlich im Sommer wird in Schweden eine Spezialveranstaltung (Toller Specialen) abgehalten, bei der Tollerbesitzer in den verschiedensten Bereichen die Leistungen ihrer Hunde vergleichen können. Mehrere Hundert Toller vor allem aus den skandinavischen Ländern, aber auch viele aus dem Rest Europas, konkurrieren bei Agility-, Obedience- und jagdlichen Wettbewerben sowie im Showbereich gegeneinander. Der Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des Titels ‚Tollarmästare' an den besten Toller in Show und jagdlicher Arbeit.

Verfolgt man die Stammbäume heutiger Toller nur wenige Generationen zurück, so gelangt man sehr schnell zum Beginn der Rasse. Ein einmaliges Hilfsmittel dafür ist der Tollerbrowser. Das ist eine im Internet offen zugängliche Datensammlung so gut wie aller jemals registrierten Toller.

Von vielen diesen Hunden sind Bilder eingebunden, so dass man auch einen Überblick über das unterschiedliche Aussehen verschiedener Linien bekommt.


Tollerzucht in Deutschland

Der offiziell erste deutsche Toller, Ronny Luwin v.d. Echtinger Grift, wurde 1992 aus den Niederlanden importiert und beim DRC (Deutscher Retriever Club) unter der Nummer DRC T-92-0001 registriert.

Er stammt aus der Zucht von Engelinus Bos. Seine Eltern waren der für die europäische Tollerzucht sehr einflussreiche Rüde Collier´s Ontario Good Luck (Lucky) und die Hündin Ardunacres Winnie of the West (Winnie), mit denen die Zuchtstätte "van de Echtinger Grift" in den Niederlanden begründet wurde (Bilder).


Collier's Ontario Good Luck 'Lucky'


Ardunacres Winnie of the West

Der erste deutsche Wurf kam dann am 19.07.1996 unter dem Namen "of Oskeola" (Sven Schneider) zur Welt. Die Mutter dieses Wurfes ist Sandy Winch v.d. Echtinger Grift (V: Bright Flower´s Champ /M:Ardunacres Winnie of the West), die mit Lucky verpaart wurde.

Knapp einen Monat später erblickte der erste Wurf von Doris und Thomas Hoffmann das Licht der Welt. Ihre Stammhündin Ralexa of Great Pleasure (Alexa) ist eine Tochter von Lucky, der mit der in England gezogenen Hündin Lyonhouse Arbella Stuart (Bella, im Besitz von Els van de Langenberg) verpaart

wurde. Wie Lucky ist auch Bella in sehr vielen Stammbäumen europäischer Toller zu finden. Vater des ersten Lech-Toller Nest-Wurfes war der aus Kanada nach Finnland importierte Rüde Westerlea´s Kitimat Mox. Aus diesem Wurf behielten sie die Hündin Alison vom Lech-Toller Nest (Yüksi), die inzwischen jagdlich geführt wird und erfolgreich verschiedene jagdliche Prüfungen abgelegt hat. Auch sie wird in der Zucht eingesetzt.

Noch im selben Jahr begründete Sylvia Sponholz ihre Tollerzucht ("of Redpine") mit der aus Dänemark stammenden Hündin Bright Flower´s Here I Am. Vater ihres ersten Tollerwurfes war der englische Rüde Decoyman´s Piper Hemstead (Ross) von Els van de Langenberg ("of Great Pleasure").

Im darauffolgenden Jahr trat Dr. Schwieters in das Tollerzuchtgeschehen ein. Er verpaarte seine Hündin Tilla Utsar v.d. Echtinger Grift mit Ross von Els v.d. Langenberg. Die Welpen erhielten den Zwingernamen "The Tolling Hunter". Auch er behielt eine Hündin aus seinem ersten Wurf (Antigonish Girl The Tolling Hunter), die später auch zur Zucht eingetzt wurde.

Nach und nach fand so der Toller auch in Deutschland immer mehr Freunde, so dass inzwischen im DRC regelmäßig Würfe bei verschiedenen Züchter fallen. Weitere Zuchtstätten sind:

  • "Mic Mac Hunters"
    (Günter Walkemeyer mit Objibwa´s Barribaloo, Flottatjärns Prima Inuit Tuffy,
    Lennoxlove Mic Mac Princessa und Mic Mac Hunter´s Bessh)

  • "The Diligent Red Hunter"
    (Regina Beißner mit Balice vom Lech-Toller Nest)

  • "The Dreamworker Kennel" (Sandra und Sascha Fock mit Copper and Brass´s Zaratustra und Copper and Brass's Bellarossa)

  • "The Spirit of Heyoka"
    (Carolin Wehrheim mit Pinocchio of Redpine, Zoe the Hope of Great Pleasure und Anju the Spirit of Heyoka)

  • "Vom Sölleseck"
    (Birgit Stieber mit Hayowenta´s Bonama Okiniy und Ajina Animosh vom Sölleseck)

  • "Dewberry's Dual"
    (Sinaida Sens mit Objibwa's Paya-Kuta)

  • "Red Nuggets"
    (Sabine Sparmann mit Mic Mac Hunter's Byjaa)

 

Links:

Artikel von HAP Smith (John Norris Website)

 

Autor: Silke Sandberg

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