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Ein Rasseportrait von Doris
Hoffmann (Rassebetreuerin im Deutschen
Retriever Club)
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Einleitung
Auf der Suche nach einem neuen Familienmitglied stößt
man mitunter auch auf den Kleinsten der sechs Retriever Rassen.
Den Nova Scotia Duck Tolling Retriever oder des öfteren auch
Toller genannt. Aufgrund der kleineren Größe könnte
man denken, es sei eine "Zwergausführung" des weithin
bekannten Golden Retrievers. Weit gefehlt! Der Toller ist ein ausgesprochen
aktiver Zeitgenosse und stellt hohe Anforderungen an seinen Besitzer
in Punkto Ausbildung und Beschäftigung. Noch dazu ist er eine
der beiden anerkannten Lockhundrassen. Derzeit gibt es in Deutschland
rund 25-30 Welpen pro Jahr. Im Alltag wird man bedingt durch seine
Seltenheit noch des öfteren gefragt: "Welche Mischung
ist denn das?" Durch seine freundliche Art und seine auffordernde
Gestik ist er schnell ein Magnet für Kinder und hundeinteressierte
Spaziergänger.
Aussehen
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever (Toller) ist der kleinste
aller sechs Retrieverrassen. Er ist ca. 45-48 cm (Hündinnen)
bzw. 48-51cm (Rüden). Sein Körperbau ist kraftvoll, kompakt
und harmonisch, die Knochensubstanz mittel bis kräftig. Seine
Bewegungen sind
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geprägt durch seine Flinkheit, Wachsamkeit und Entschlossenheit.
Sein Ausdruck bei der Arbeit ist aufmerksam und zeigt seine Konzentration
und Erregung. Der Toller hat ein pflegeleichtes wasserabweisendes mittellanges
Fell mit dichter, weicher Unterwolle von orange bis roter Farbe. Gewöhnlich
sind eine oder mehrere weiße Markierungen an Pfoten, Brust, Blesse
und Rutenspitze vorhanden. Die Pigmentierung an Nase, Lefzen und Augenrändern
kann fleischfarben, Ton in Ton mit der Fellfarbe oder schwarz sein.
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Charakter
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist ein intelligenter, temperamentvoller,
aktiver und wachsamer Retriever, ohne nervös zu sein, der unbedingt
engen Kontakt zu seinem "Menschenrudel" braucht. Er ist
freundlich und sicher im Umgang mit Menschen, auch mit Kindern und
anderen Hunden, mit einem Gefühl für den Zeitpunkt, wann
sein Temperament gefragt ist. Voraussetzung dafür ist eine
liebevolle, aber sehr konsequente Erziehung ohne Härte und
viel Zeit, um dem Toller die nötige Abwechslung in der Ausbildung
zu bieten. Er apportiert für's Leben gerne. Seine große
Liebe ist das Wasser. Hat seine Familie
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den richtigen "Draht" zu ihm gefunden, lernt er sehr schnell,
was von ihm erwartet wird. Auch bei sehr konsequenter Führung testet
er allerdings immer wieder seine Grenzen auf's Neue. Dies und sein ausgeprägter
Spieltrieb sowie seine Flinkheit bleiben ihm bis ins hohe Alter erhalten.
Geschichte
Der genaue Ursprung dieser Rasse konnte bisher nicht mit voller Sicherheit
rekonstruiert werden. Eine Theorie beschreibt, daß der Nova Scotia
Duck Tolling Retriever in Kanada gezüchtet wurde, um eine Fuchsart
zu imitieren, die durch Spiel am Ufer die Enten heranlockt. Die Jäger
wollten sich diese Jagdart zunutze machen und züchteten einen Hund
mit hohem Spieltrieb, dem Aussehen dieser Füchse sowie den Anlagen
zum Apportieren. Außerdem musste er robust genug für die Arbeit
im kalten Wasser sein. Andere Theorien gehen davon aus, dass sich der
Toller parallel zum Kooikerhondje entwickelt hat. Die ersten Toller wurden
um 1900 herum unter dem Namen Little River Duck Dog bekannt. Der Nova
Scotia Duck Tolling Retriever ist seit 1945 als eigenständige Rasse
anerkannt und wird seit gut 7 Jahren auch in Deutschland gezüchtet.
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Der Toller als Jagdhund
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist ein vielseitig einsetzbarer,
wasserfreudiger Jagdhelfer mit hohem Arbeitstempo. Zur üblichen
Retrieverarbeit nach dem Schuß verfügt er über die
Fähigkeiten zum Tolling (siehe Wortweiser). Seine Hauptpassion
ist die Wasserarbeit, d.h. das Apportieren von Enten, Gänsen
etc. aus dem Wasser oder Schilf. Hierbei legt er eine große
Ausdauer an den Tag. Seine kleinere Körpergröße
im Vergleich zu den anderen Retrievern ist dabei kaum ein Hindernis.
An Land ist er durch seinen ausgesprochenen Findewillen jedoch ebenso
ein zuverlässiger Partner bei Niederwildjagden und der Nachsuche
auf Schalenwild. Ein Jagdhund der blitzschnell vom Spiel im Familienleben
zur ernsten Jagdarbeit umstellen kann. Ein Jagdhelfer, der den Jagdhund
und den anpassungsfähigen Familiengefährten in sich vereint.
Durch die Kombination der nachfolgenden Eigenschaften ist der Nova
Scotia Duck Tolling Retriever der Spezialist für diese Jagdmethode:
Spielfreude, Bewegungsfreude, Ausdauer, Temperament, Unterordnungsbereitschaft
Wasserfreude, Gleichgültigkeit ggü. Federwild vor dem
Schuß, Rutenhaltung und reich befederte Fahne, rötliche
Fellfarbe, Größe und Wendigkeit. Sind die Enten oder
Gänse nahe genug, beginnt für den Toller die ganz normale
Retrieverarbeit nach dem Schuß.
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Wortweiser: Tolling
Das spielerische, mit überschießenden Bewegungen verbundene
Apportieren eines Balles oder Stöckchens, wodurch das Wasserwild
aus großer Distanz in Schußentfernung gelockt wird.
Der Ball bzw. das Stöckchen wird vom Führer aus einem
Versteck immer wieder ohne Kommando unterschiedlich weit geworfen.
Der Hund soll mit steil aufgestellter, wedelnder Rute im Bogen zurückkommen.
Er darf dabei nicht ins Wasser springen und muß die sich nähernden
Gänse oder Enten ignorieren. Dieses Anlocken kann gut ½
Stunde andauern. Auf einen Fingerzeig muß der Hund sich absolut
standruhig verhalten. Wurden die Enten oder Gänse anschließend
erlegt, muss er sie aus dem Wasser oder Schilf wie auch an Land
zuverlässig apportieren.
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Ausbildung
Die Ausbildung des Nova Scotia Duck Tolling Retrievers erfordert
sehr viel liebevolle Konsequenz ohne Härte, viel Phantasie
und die Fähigkeit sich selbst im Umgang mit seinem Hund zu
beobachten. Er benötigt viel Abwechslung bei den Lektionen.
Seine Intelligenz und unermüdliche Neugierde fordern von seinem
Ausbilder sehr viel Fingerspitzengefühl, sein hohes Tempo eine
ausgesprochen schnelle Reaktion auf unerwünschte Verhaltensweisen.
Kleinste Inkonsequenzen in der Führung und Ausbildung nutzt
er gerne für sich und seine Ziele aus. Rein aus Neugierde versucht
er stets soweit zu gehen, wie man es ihm zuläßt, auch
wenn dies nicht gerade der leichteste oder angenehmste Weg für
ihn ist. Einmal Erlerntes muss bis ins hohe Alter immer wieder gefestigt
werden, außerdem ist er auch im Alter stets für eine
Überraschung gut. Ist der Führer hier unvorbereitet, reicht
ihm oft eine einzige Erfahrung, um für die Zukunft zu lernen.
Akzeptiert er seinen Führer lernt er gerne und schnell, tut
er dies nicht, kann er ausgesprochen stur werden. Mit reinen Begleithundeaufgaben
ist er im Normalfall nicht ganz ausgelastet, Zusatzaufgaben in Form
von Apportiertraining, Rettungshundearbeit, Agility, Hundesport
oder ähnlichem sind auf jeden Fall empfehlenswert.
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Alternative Ausbildung
Alle Hundesportarten, bei denen er seine Wendigkeit und Spritzigkeit
ausleben kann und die zudem auch seine Intelligenz fordern, wie z.B. Agility
oder Flyball nimmt er gerne an. Auch als Rettungshund findet er durch
seine Neugierde und das bedingungslose Vertrauen, das er zu seiner Leitperson
aufbauen kann, mittlerweile Anerkennung. Seine Lieblingsbeschäftigung
bleibt allerdings das Apportieren. Die Dummyarbeit ist dafür ein
ausgezeichnetes Betätigungsfeld. Dem Besitzer sind bei der Aufgabenstellung
kaum Grenzen gesetzt. Der Toller erhält eine vielseitige Möglichkeit,
seinen Findewillen, sein Temperament und seinen Will-to-please auszuleben.
Wird ihm keine seinem Temperament entsprechende Beschäftigung angeboten,
ist er interlligent genug, sich selbst ein Betätigungsfeld zu suchen,
das sich nicht immer mit den Interessen seines Besitzers vereinbaren läßt.
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Anforderungen an den Tollerbesitzer
Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist ein aktiver Hund für
aktive Besitzer, die eine Herausforderung lieben. Er macht alles
mit und ist am liebsten überall dabei. Er braucht engen Familienanschluß
und ist somit bei ganztägiger Berufstätigkeit oder Zwingerhaltung
ungeeignet. Wenn man sich einen Toller anschaffen möchte, sollte
man bereit sein, viel Zeit und Phantasie in die Ausbildung aufzuwenden.
So wird er zum angenehmen Begleiter, der sich gut benehmen kann.
Er liebt unangeleinte ausgedehnte Spaziergänge in der freien
Natur gepaart mit Aufgaben, bei denen er seine ganze Intelligenz
einsetzen darf.
Andere Tiere
Grundsätzlich es der Nova Scotia Duck Tolling Retriever anderen
Hunden gegenüber freundlich gestimmt. Er lernt sehr schnell
seinen Platz in einem bestehenden Rudel einzunehmen und sucht von
sich aus keinen Streit. Voraussetzung dafür ist eine gute Sozialisierung
und gute Erfahrungen bei der "ersten Begegnung", die stets
gefühlvoll vorbereitet werden sollte. Das Gleiche gilt für
den Umgang mit anderen Haustieren.
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Gesundheit
Die Lebenserwartung eines Nova Scotia Duck Tolling Retrievers beträgt
10-13 Jahre, manchmal auch älter. Er ist robust, neigt nicht zum
kränkeln und kommt durch sein doppeltes Haarkleid auch mit niedrigen
Wassertemperaturen sehr gut zurecht. Die häufiger vorkommende Augenerkrankung
PRA kann mittlerweile durch Gen-Marker Tests bestimmt werden und somit
in der Zucht berücktsichtigt werden. Durch eine verantwortungsvolle
Selektion der Zuchttiere ist die Rasse auch durch Gelenkerkrankungen nicht
übermäßig belastet. Hin- und wieder kommen Autoimmunstörungen
in den ersten 2 Jahren vor, deren genauer Erbgang jedoch noch nicht exakt
aufgeklärt werden konnte.
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Der Toller im Deutschen Retriever Club (DRC)
Der Deutsche Retriever Club (DRC) ist der in Deutschland einzige
vom VDH
und FCI
anerkannte Zuchtverein für den Toller. Der DRC legt größten
Wert auf die Zucht von gesunden, wesensfesten, rassetypischen Jagdhunden.
Deshalb muß ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever mehrere
Tests und Prüfungen nachweisen, bevor er zur Zucht zugelassen
wird. Dazu gehören Hüft- Ellbogen- und Augenuntersuchungen,
ein Wesenstest, eine Begleithunde- und eine Jagd- oder Dummyprüfung
im Anfängerniveau und abschließend eine Formwertbeurteilung
durch einen VDH-Richter. Durch diese hohen
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Anforderungen muss man im Normalfall mehrere Monate auf einen Welpen
warten. Die Zuchthunde leben in Privathaushalten als Jagd- und Familienhunde.
Beim Toller ist es ausgesprochen wichtig, daß die Welpen schon beim
Züchter eine gute Sozialisierung und Familienanbindung bekommen.
Eine sorgfältige Welpenaufzucht und Prägung ist Grundlage für
einen zuverlässigen Begleiter. Ein verantwortungsvoller Züchter
wird Sie auch bei der Erziehung Ihres Welpen stets begleiten.
Nutzen Sie die Wartezeit um den richtigen Züchter zu finden, der
Ihnen auch während dieser Zeit schon mit wichtigen Informationen
und Ratschlägen helfen kann. Informieren Sie sich über die Zuchtvorausplanungen
bei der Welpenvermittlung der Geschäftsstelle des DRC.
Deutscher Retriever Club
Geschäftsstelle
Dörnhagener Str. 13
34302 Guxhagen
Tel. 05665 -1734
E-Mail DRC-Geschaeftsstelle@t-online.de
www.deutscher-retriever-club.de
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